|
Als ich im Sommer 2007 mein Abitur bestand, hatte ich zunächst den Wunsch, Grundschulpädagogik zu studieren. Da mein Abiturdurchschnitt nicht ganz ausreichte um gleich mit dem Studium zu beginnen, entschied ich mich dazu, die Wartezeit mit einem FSJ in einer Kindertagesstätte zu überbrücken.
Gleichzeitig hoffte ich, dass sich mein Berufswunsch festigen würde.
Drei Monate später fing ich mit mein FSJ in dem Integrationskinderladen „Stadtmäuse“ in Schöneberg an.
Zurzeit arbeite ich mit fünf ErzieherInnen und einem Zivi zusammen in der Einrichtung.
Es gibt nur eine Gruppe, die sich aus 19 Kindern zwischen 1 ½ und 5 Jahren zusammensetzt.
Vier dieser Kinder haben eine Behinderung und müssen intensiver betreut werden.
Ich hatte von Anfang an sehr engen Kontakt zu Tanja , einem mittlerweile vierjährigen Mädchen mit Downsyndrom. Da sie noch nicht richtig sprechen kann, verständigt sich Tanja mit der „gebärdenunterstützenden Kommunikation“ (GuK). Die GuK ist eine vereinfachte Form der Gebärdensprache, die extra für Kinder wie Tanja entwickelt wurde.
Ich habe Tanja von Anfang an in mein Herz geschlossen und schnell die wichtigsten Worte „ihre Sprache“ gelernt, um mich problemlos mir ihr verständigen zu können. Mittlerweile beherrsche ich rund 100 Begriffe der GuK.
Einmal wöchentlich bekommt Tanja Logopädiestunden, um das Sprechen schneller zu erlernen. Teilweise wird sie auch von ihrer Logopädin im Kinderladen besucht.
Als ich die Logopädin im Kinderladen kennen lernte, fragte sie mich gleich, ob ich Lust hätte, bei ihrer Therapie zuzugucken.
Ich nahm das Angebot gerne an und beobachtete, wie die Logopädin mit spielerischen Mitteln versuchte, Tanja zur Kommunikation anzuregen.
Besonders faszinierend fand ich, dass Tanja die Therapie mit Freude und Motivation annimmt und sie offensichtlich nicht als belastend empfindet.
Ich habe festgestellt, dass Tanja im letzten halben Jahr wesentliche Fortschritte in ihrer Sprachentwicklung gemacht hat, wobei ich nicht mit Sicherheit sagen kann, inwieweit diese auf die Therapie zurückzuführen sind.
Besonders gefreut habe ich mich, als sie mir morgens die Kinderladentür öffnete, mich anlächelte und meinen Namen, der selbst für die anderen Kinder nicht gerade einfach ist, fast richtig aussprach.
Da ich die Tätigkeit der Logopädin sehr interessant fand, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, ob dies der richtige Beruf für mich sein könnte. Ich informierte mich unter anderem im Internet genauer über den Beruf und nahm die Möglichkeit wahr, im Rahmen des FSJ ein fünftägiges Praktikum bei einer Logopädin in einer Schule für hörgeschädigte Kinder zu absolvieren. Hier hatte ich die Gelegenheit, an der Arbeit mitzuwirken und ich habe in der kurzen Zeit eine Menge über den Beruf gelernt.
Mein Wunsch, selber einmal Logopädin zu sein und Menschen mit Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen zu therapieren, wurde immer stärker. Deshalb habe mich an den Schulen für Logopädie in Berlin beworben.
Mittlerweile habe ich eine Zusage von der Medizinischen Akademie Berlin bekommen und werde im Januar 2008 mit der Ausbildung beginnen.
Für mich war das FSJ eine sehr große Hilfe bei meiner Berufswahl.
Berlin, 20.04.2008
Friederike
FSJ 2007/08
|