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Ob diese Zusammenarbeit klappen würde, dass konnte niemand am Anfang wissen.
Ich bin Sandra, mittlerweile 19 Jahre alt, wohnhaft in Berlin seit September 2007 und -ich nehme schon mal vorweg- hatte ein spannendes und schönes Jahr im Waldorf Kindergarten Pankow.
Zu Beginn war alles noch sehr neu. Die Stadt (ich kam aus Thüringen), die Arbeit, sowie die Menschen waren mir nicht vertraut.
In meiner Kindergartengruppe erwarteten mich 16 süße Rabauken und 2 Erzieherinnen, welche mich herzlich empfingen. Ich lernte die Handhabungen in der Gruppe, das „Bio-Essen“ und die
Kinder & Erzieherinnen kennen.
Insgesamt fasst der Kindergarten 77 Kinder, 10 Erzieher, 1Köchin, 1Geschäftsführerin und eine wechselnde Zahl von Praktikanten/Hospitanten. Man kann sich vorstellen, dass ich einige Namen verwechselt habe. Ich hatte in den ersten Wochen eine Menge Fragen zum Thema „Waldorf“ und zum Umgang mit den Kindern. Die Erzieher beantworteten jede meiner Fragen ausführlich und sind gut auf mich eingegangen.
Im Grunde waren meine Aufgaben:
die Begleitung der Kinder im Alltag und die Unterstützung der Erzieher bei dem Ablauf des „Tagesprogramms“.
Es wurde mir selbst überlassen, welche Tätigkeiten ich übernehmen möchte (je nachdem, wieviel ich mir zutraute).
So habe ich vormittags geholfen, das Essen zuzubereiten, aufzuräumen, die Kinder zu unterstützen beim Spiel, sie anzuziehen, das Essen auszuteilen beim Frühstück, die Kinder im Garten zu betreuen oder den Gruppenraum für die Mittagszeit vorzubereiten, die Kinder „Bettfertig“ zu machen und auszuziehen.
Danach habe ich noch mit abgewaschen und gefegt. Darauf folgte eine Mittagspause. Diese habe ich meist im Gruppenraum verbracht, um mich mit anderen Praktikanten auszutauschen oder mit Erzieherinnen über Vorfälle zu sprechen, bei denen ich noch Fragen hatte.
Meine Nachmittage verbrachte ich regelmäßig mit anderen Erziehern und/oder Kindern, sodass ich einen Einblick in mehrere Gruppen bekam.
Erstaunlich fand ich diese Regelmäßigkeit im ganzen Tun in diesem Kindergarten. Das Frühstück-, Mittag- und Nachmittagessen ist genauso geregelt wie die Planung, was man wann in der Woche macht. Zudem ist der christliche Glaube fest im Kindergartengeschehen verankert und die dazugehörigen Feste bestimmen somit den Jahresablauf.
Ausnahmen sind situationsbedingt möglich.
Ein Beispiel: Freitag.
Wenn die Kinder am Morgen kommen, dürfen sie erst einmal ein Aquarellbild malen ( Anzahl der Farben sind abhängig vom Alter/der Reife des Kindes).Danach ist Freispielzeit angesagt, dann aufräumen, Fingerspiel, Händewaschen, ein Lied zum Hände eincremen. Zum Frühstück gibt es Brot mit Marmelade, Frischkäse, Tomatenaufstrich, Linsenpüree oder Kräutersalz und anschließendem Obstteller. Und wieder Freispielzeit, aber im Garten. Zum Mittag wird eine Teigspeise (z. B. Lasagne) angeboten und ein Salat oder ein Nachtisch, davor entweder ein Reigen, ein Puppenspiel , ein Spiel oder eine Geschichte. Danach geht's ins Bett und nach dem Aufstehen gibt es Knäckebrot mit Honig, Marmelade, Rübensirup oder Kräutersalz. Darauf folgt Freispielzeit bis die Kinder abgeholt werden.
In diesem Tagesablauf habe ich noch nicht die verschiedenen Tischgebete oder andere Riten erwähnt. Es sind einige und in jeder Gruppe Unterschiedliche. Wie auch die Umsetzung R.Steiners Pädagogik in jeder Gruppe von der Erzieherin individuell gestaltet wird. Viele der Erzieherinnen haben sich nicht aus eigener Erfahrung mit Waldorf, sondern aus Überzeugung zu dieser Pädagogik, für eine weiterführende Ausbildung in diese Richtung entschieden (Quereinsteiger).
Das Fazit, welches ich aus diesem FSJ ziehe:
Die Kinder wachsen sehr behütet auf und werden nicht auf Selbstständigkeit getrimmt, wie ich es kannte. Ich finde es jedoch sehr positiv, dass sie noch Kind sein können und die Erzieherinnen sich auch gedanklich viel mit dem Kind und seinen Fähigkeiten, „Problemen“ usw. beschäftigen. Das Kind (jedes Einzelne) steht im Vordergrund und nicht die Frage „Wie bekomme ich den Tag möglichst ohne viel Anstrengung über die Runden?“(wie es mir in anderen Einrichtungen des öfteren vorkam). Das Wohl des Kindes ist somit das Wichtigste und die Erzieher arbeiten viel an sich, wenn sie z.B. ein Problem mit ihm haben oder das Gefühl haben, es nicht gerecht zu behandeln.
In diesem Zusammenhang arbeiten sie auch sehr eng mit den Eltern zusammen, was dem Ganzen eine angenehme Atmosphäre verleiht. Man fühlt sich auch als Praktikant gleich aufgenommen und kennt nach einiger Zeit von vielen Kindern die Eltern usw. . Dies gibt den Kindern auch mehr Sicherheit, weil 'jeder, jeden kennt', so kann kein Kind einfach so mitgenommen werden.
In dem Team von Erziehern habe ich immer Rat gefunden und sie haben mir auch Mut gemacht Grenzen zu setzen und im Umgang mit Kindern sicherer zu werden.
Schön war es für mich auch, die Abwechslung zu haben, durch die Seminare mit Jao.eV.. Ich konnte mich mit anderen FSJlern austauschen, die zum Teil ähnliche Probleme hatten. Es tat gut mal einen Tag etwas anderes zu machen, als ständig das Gleiche zu erzählen (z.B. „Hände waschen nicht vergessen“ etc.) und auch andere Menschen zu sehen.
Während meines Praktikums kam ich sogar in den Genuss einiges Neues zu lernen, u.a. Stricken und Häkeln.
Mein FSJ war eine rundum positive Erfahrung und ich hatte Zeit mir über meine Zukunft Gedanken zu machen, sowie Taten folgen zu lassen.
Danke für diese Möglichkeit und allen Anderen viel Erfolg beim Erreichen ihrer Ziele.
Sandra
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