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Diese Frage schwirrt so vielen durch den Kopf, auch bei mir war es nicht anders.
So war ich ziemlich erleichtert, als ich von der Möglichkeit eines sozialen Jahres erfuhr. Schnell war mir klar, dass ich diese Möglichkeit nutzen muss, wenn ich nicht gleich von der Schulbank in den Hörsaal weiterziehen wollte. Hinzu kam noch die Frage, welchen Beruf möchte ich später einmal ergreifen bzw. was soll ich überhaupt studieren? Ich entschied mich also dafür ein freiwilliges soziales Jahr zu absolvieren, um die Zeit zwischen Abitur und Studium sinnvoll zu nutzen, berufliche Erfahrungen zu sammeln und um Menschen, die die Hilfe anderer benötigen unterstützen zu können.
Da ich bereits im Februar des vorhergehenden Jahres ein einwöchiges Praktikum in der Tagesstätte für psychisch kranke Menschen im Kaspar Hauser Therapeutikum absolviert hatte und dort positive Erfahrungen sammeln konnte, entschied ich mich auch für das soziale Jahr für diese Einrichtung.
Die Tagesstätte des Kaspar Hauser Therapeutikums bietet Platz für Menschen, die eine Entwicklung und Stabilisierung ihrer sozialen Fähigkeiten in Krisen suchen, die eine tagesstrukturierende Hilfe benötigen, die weiteren Krankenhausaufenthalten entgegenwirken möchten oder die sich als Ziel die Wiedereingliederung in Alltag, Beruf und Gesellschaft gesetzt haben. Diese Ziele werden nach dem anthroposophischen Grundgedanken verfolgt. Somit liegt der Schwerpunkt der Tagesstättenarbeit im gemeinsamen kreativen Erleben und sinnhaften Tun. Zudem steht das anthroposophische Menschenbild, welches die Würde und Freiheit des Einzelnen und dessen Persönlichkeit betont stets im Vordergrund der Arbeit. Die Zusammenarbeit mit den Klienten ist sehr vielfältig, da auf jeden Menschen individuell eingegangen wird und jeder einer Aufgabe nachgeht, die persönlich und speziell auf ihn zugeschnitten ist. Beispiele für diese Tätigkeiten sind Textile Arbeiten, Papierarbeiten, Filzarbeiten, Entwicklung und handwerkliche/ kreative Gestaltung, buchbinderische Tätigkeiten sowie das Gestalten von Mosaiken in verschiedenen Größen. Zusätzlich werden nach der Mittagspause verschiedene Gruppen für die Klienten angeboten, an denen sie nach Belieben teilnehmen können. So haben sie die Möglichkeit die Literatur-, Tischtennis-, Schwimm-, Näh oder Gitarrengruppe zu besuchen.
Da das Tätigkeitsangebot so vielfältig ist, war und ist auch meine Arbeit mit den Menschen sehr vielfältig. Täglich muss ich mich neuen Aufgaben und Fragen stellen, was die Arbeit in der Tagesstätte sehr spannend macht.
In den ersten drei Monaten bestand meine Aufgabe darin, mich intensiv mit den Menschen zu beschäftigen. Wie gehe ich mit ihnen in bestimmten Situationen um, wann lass ich sie besser in Ruhe, wann greife ich besser ein? Dies kostet zu Anfang viel Kraft und so war ich froh, dass ich Zeit von dem Team bekam mich an alles gewöhnen zu können. Die Anforderungen stiegen in einem sehr angemessenen und auf mich zugeschnittenen Tempo. Ich fühlte mich in der gesamten Zeit nicht überfordert oder hilflos. Nach der Eingewöhnungszeit bekam ich zusätzlich zur praktischen Arbeit des Öfteren auch Einblicke in die organisatorischen Abläufe einer Tagesstätte und setzte mich mit Kollegen zu bestimmten Themen (z.B. zum Thema Systemtheorie) auseinander, sodass auch der theoretische Teil meiner Arbeit gut abgedeckt und organisiert war.
In den letzten Monaten veränderte sich meine Arbeitssituation sehr. Ich bin nun ein festes Glied im Team und kann an den Teamsitzungen und Kliententeamsitzungen teilnehmen. Der Tagesstättenleiter ermöglichte mir zudem auch die Teilnahme an außerhäuslichen Gremien.
In den mir noch bevorstehenden Monaten wird mein Arbeitsbereich noch weiter ausgedehnt werden. Ich werde die Möglichkeit erhalten in den Verwaltungsbereich der Tagesstätte hineinzuschauen und dort einige Aufgaben zu übernehmen zu können. Diese Veränderung freut mich sehr, da mich der Verwaltungsbereich sehr interessiert und diese Arbeit noch mehr Abwechslung zur eigentlichen Betreuung der Klienten bietet.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass das soziale Jahr mir in der persönlichen Entwicklung viel gebracht hat. Ich habe eine Menge interessante Menschen kennen- und schätzen gelernt. Viele Klienten haben mich innerlich sehr berührt und mir unbewusst Kraft gegeben. Dies erstaunt mich heute immer noch sehr, da ich dachte, dass die Zusammenarbeit mit ihnen eher Kraft raubend ist. Diese Entwicklung war meiner Meinung nach auch nur auf Grund der Unterstützung meiner Kollegen möglich. Ich habe mich in dem Team stets gut aufgehoben und geborgen gefühlt. Zusätzlich stelle ich fest, dass die Klienten oft einen engeren Kontakt mit mir als Praktikantin pflegen als mit den restlichen Betreuern. Man trifft sich auf einer anderen Ebene, tauscht persönlichere Sachen miteinander aus und vergisst somit manchmal sogar das eigentliche „Arbeitsverhältnis“.
Durch das soziale Jahr habe ich einen guten Einblick in die Arbeitswelt bekommen und auf jeden Fall meinen Horizont ein großes Stück erweitert.
Zudem kann ich nur empfehlen auch weiterhin FSJ-ler in diese Einrichtung zu schicken.
Cora
FSJ 2007/08
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